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Forschungsprojekt Lobster

Der folgende Artikel ist aus der Zeitschrift "SEKUNDÄR ROHSTOFFE " (Fachzeitschrift für Rohstoffhandel, Kreislaufwirtschaft und Recyclingtechnik) entnommen (Ausgabe Juli/August 1999, 16. Jahrgang).

"Wer unter der Bezeichnung "LOBSTER" eine Delikatesse aus dem Meer vermutet und an die englische Übersetzung des Wortes "Hummer denkt, der wird ein solches Schalentier auf Hernes Straßen nicht finden. Denn es geht bei "LOBSTER" nicht um kulinarische Genüsse, sondern um ein neuartiges System zur "Logistik bei Sammlung md Transport für das Elektronik-Recycling', das in Herne seit September 1998 im Probebetrieb eingesetzt wird.

"LOBSTER" wurde entwickelt, um die hohen Logistikkosten bei der Erfassung von Elektro(nik)schrott zu senken und die Arbeitsbedingungen der Arbeitskräfte zu verbessern. Das System entstand in einem Gemeinschaftsprojekt der Firmen AGR - Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH (Essen), Girke Fahrzeug- und Stahlbau GmbH (Bochum), LogiBall GmbH (Herne), Fraunhofer Institut für Materialfluß und Logistik (Dortmund), Maschinenfabrik Ernst Hese GmbH (Gelsenkirchen) sowie HERA - Anwenderzentrum Herne GmbH, die das Projektmanagement übernommen hat. Außerdem wurde das Vorhaben vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Wirtschaft und Technologie, Mittelstand und Verkehr gefördert.

Damit "LOBSTER" sämtliche rationellen und wirtschaftlichen Kriterien erfüllt, wurden das Fahrzeug sowie die - zu handelsüblichen Abrollcontainern kompatiblen - Sammel- und Transportbehälter neu entwickelt und in das logistische Gesamtkonzept integriert. Sein Einsatz umfaßt die Holsammlung auf Abruf beim privaten und gewerblichen Kunden, das Aufstellen der Behälter bei Handel, Industrie und Kommune, den Transport, den Umschlag und die Lagerung der Elektro(nik)schrott-Fraktionen sowie den innerbetrieblichen Transport in die Zerlegebetriebe.



Besonderheit des Systems sind die speziellen Sammel- und Transportbehälter, in denen "weiße Ware" (große Haushaltsgeräte), Kühl- und Gefriergeräte sowie "braune Ware" (Fernseher, Bildschirme und elektronische Geräte) entsprechend ihrer späteren Verwertung von vornherein getrennt gesammelt werden können. Herzstück des Fahrzeuges ist eine spezielle Fördertechnik: Sie bewirkt, daß die gefüllten, fahrbaren Boxen vollautomatisch von der Straße aufgenommen und in zwei übereinander liegende Ebenen gestapelt werden. Dabei gestattet die neuartige Mechanik sowohl das schnelle Be- und Entladen als auch das Verschieben der Behältnisse gegeneinander. Auf diese Weise lassen sich neun Container unterbringen. Werden volle gegen leere Gefäße ausgetauscht, ist Platz für einen zusätzlichen Behälter vorhanden. Den Angaben zufolge ist bei allen logistischen Vorgängen die Arbeitssicherheit gewährleistet.



Zeitanalysen während des Probebetriebes ergaben im Vergleich zur bisher üblichen Sammelpraxis (Pritschenwagen oder Kofferaufbau mit Ladebordwand) erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen. Beim Beladen und Sortieren der Einzelgeräte wurden Zeitvorteile von mehr als 20 Prozent gegenüber der konventionellen Fahrzeugtechnik erzielt. Das Entladen des Lastwagens erfolgt durch einfachen Behälterwechsel, was die dafür benötigte Zeit halbiert. Außerdem zeichnet sich das System durch eine wirtschaftliche und durchgängige Ein-Mann-Bedienung aus



mit verbesserten Arbeitsbedingungen und erhöhter Arbeitssicherheit. Für den Zeitvergleich wurden typische Sammeltouren herangezogen. Bei der Holsammlung fährt der Mitarbeiter beispielsweise 25 Stationen an und nimmt 30 Haushaltsgroßgeräte beziehungsweise Fernseher auf. Es stellte sich heraus, daß die Fahrten zu den Sammelpunkten mehr als die Hälfte der Gesamtzeit beanspruchen ."Zukünftig werden die Sammelreviere einer Tagestour in der Stadt Herne daher neu definiert", heißt es in einer Information ."Ziel ist es, die Entfernungen zwischen den Beladestellen zu verringern, um die Zeiten für die Anfahrt zu reduzieren." So ließen sich die Zeitvorteile des "LOBSTER"-Systems beim Be- und Entladen noch besser nutzen."